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05.11.2019
Julius Thomas



Livestreams hochwertig und störungsfrei übertragen

Video Livestreams sind ein Trend und das über alle Branchen hinweg.

Längst werden sie im professionellen Umfeld nicht nur von Medienhäusern genutzt, um deren Inhalte im Internet zu übertragen. Auch viele Unternehmen aus anderen Branchen arbeiten verstärkt daran, Video als Kanal für eigene Themen und Zielgruppen zu nutzen.

Die Bedeutung dieses Kommunikationskanals lässt sich an den gestiegenen Nutzerzahlen gut erkennen. Die Zahl der Konsumenten von Livestreams stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an.

Waren es im Jahre 2013 noch ca. 15 Mio. Nutzer, welche in Deutschland Livestreaming-Angebote genutzt haben, stieg die Zahl im Jahr 2017 bereits auf ca. 24,3 Mio. und wird im Jahre 2020 voraussichtlich die 30 Mio. Marke überschreiten.

Der große Erfolg des Livestreamings für Unternehmen hängt auch damit zusammen, dass das Publizieren von Streams heute einfacher und auch bezahlbarer geworden ist.

Wer eine Webseite, Blog oder App betreibt kann heute schnell und unkompliziert Livestreams in sein Webangebot oder in reichweitenstarke Social-Media Plattformen wie Facebook einbinden. Unserer Meinung nach ist es egal ob sie z.B. ein Fußballspiel oder die jährliche Hauptversammlung übertragen wollen, in Zeiten von Netflix und Co erwartet der Zuschauer eine qualitativ ansprechende und störungsfreie Übertragung.

Um das Medium optimal nutzen zu können ist es wichtig neben der Produktion von attraktivem Inhalte auch den Blick auf die technischen Voraussetzungen für die hochwertige Übertragung zu werfen. Deshalb sollte man für einen ansprechenden Livestream auf die folgenden fünf Grundlagen achten.

Ausgangslage ist meistens ein fertiges AV-Signal, welches mit Hilfe eines Encoders ins Internet oder zum Beispiel auch in ein Firmennetzwerk übertragen werden soll.


1. Wahl des richtigen Encoders, Übertragungsprotokoll und Einstellungen

Um das Livesignal vom Übertragungsort auf die Streaming Plattform zu senden, ist ein Soft- oder Hardwareencoder notwendig. Grundsätzlich empfehlen wir den Einsatz von Hardwareencodern.

Möchten Sie z.B. Overlays in das Videosignal einpflegen und haben keinen Videomischer, so können Sie dies mit einem Software-Encoder bewerkstelligen. Wirecast ist hier eine gute Lösung. Es gibt aber auch kostenlose Alternativen wie OBS Studio.

Jedes Gerät oder Software arbeitet etwas unterschiedlich. Grundsätzlich müssen Sie auf folgende Einstellungen und Voraussetzungen achten, und diese vor der Hauptübertragung ausgiebig testen.

Encoder- Einstellungen für eine optimale Übertragungsqualität:

  • - Protokoll: SRT oder RTMP
  • - Codec: H.264, HEVC
  • - Profile: High 3.2 und höher
  • - Auflösung/Bitrate: 720p 4 Mbit/s und höher
  • - Bilder pro Sekunde: 25, 30, 50 oder 60
  • - Keyframes: Alle 2 Sekunden
  • - Audio Codec: AAC 128k und höher


2. Upstream oder Bandbreite die zur Signalanlieferung zur Verfügung steht

Selbstverständlich ist es wichtig ausreichend Bandbreite für die Übertragung bereitzustellen. In der Regel sollte man maximal 2/3 der vorhandenen Bandbreite für den Stream veranschlagen und ca. 1/3 der Gesamtbreite als Reserve belassen. Das bedeutet, wenn Sie ein Signal in Full-HD (1080p25, oder z.B. 1080p60) senden möchten, würden wir bei einer Übertragung mit relativ wenig Bewegung im Bild zirka 8 - 10 Mbit/s veranschlagen. Somit sollte eine Internetverbindung mit einer Gesamtbandbreite von mindestens 15 Mbit/s vorhanden sein.

Dabei ist auch zu beachten, dass dies Verbindung ausschließlich für Ihren Livestream bereitstehen sollte oder die benötigte Bandbreite fest zur Verfügung steht (QoS/QoE). Oft genug, haben wir erlebt, dass zwar Bandbreite vorhanden, die Leitung allerdings nicht stabil war. Außerdem sollte die Wegstrecke zur Internetanbindung am besten per Kabel – kein Funk – zur Verfügung stehen.



3. Backup/Failover Konzept

Wenn das Signal über öffentliche Netze wie das Internet versendet wird, sollte man bei jeder Liveübertragung ein Backup-Konzept haben. Es kann jederzeit passieren, dass die Verbindung durch Störungen im Netz unterbrochen wird.

Zwar kann beispielsweise das Protokoll SRT starke Schwankungen oder Störungen ausgleichen. Dennoch sollten Sie einen zweiten Upstream und Encoder für die Liveübertragung parallel betreiben. Sollte der Primäre Encoder ausfallen, so kann im Störfall nahtlos auf das Backup umgeschaltet werden, ohne dass der Nutzer davon etwas bemerkt.



4. Transcoding

Damit der Livestream für alle Nutzer zugänglich gemacht werden kann, wird das von Ihnen gesendete Signal noch in die passenden Formate und Auflösungen für adaptives Streaming gewandelt. Die erstellten Formate werden dann als adaptiver Multi-Bitrate Stream in den Streaming Verfahren HLS und MPEG-DASH bereitgestellt.


In folgender Grafik ist der technische Ablauf eines Livestreams zu sehen. Das Signal wird zunächst zur Streaming Plattform übertragen und bei Bedarf an Dritt-Plattformen übergeben. Parallel dazu wird dieses in unterschiedliche Qualitätstufen gewandelt und anschließend auf dem eigenen Portal mit einem Videoplayer dargestellt.

Ingest via RTMP,HTTP,SRT zu 3Q Animation



5. Auslieferung und Integration

Steht das komplette Setup muss noch der Videoplayer auf den gewünschten Webseiten eingebettet werden. Wichtig ist hier, dass die Website/Webserver ebenfalls wie der Livestream redundant und performant eingerichtet sind. Wenn Sie mit großen Zuschauerzahlen rechnen muss Ihre Website diese hohen Zugriffszahlen ebenfalls bedienen können. Denn kann der Videoplayer nicht initialisiert werden, können Ihre Nutzer den Livestream auch nicht sehen.

Wenn Sie diese fünf Punkte beachten werden nach unseren Erfahrungen Ihre Zuschauer die Qualität der Übertragung sehr schätzen.

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